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HM Argus: Entscheidender Vorteil in streitigen Verfahren | Hengeler Mueller News

Argus Eyes – Blog für Interne Untersuchungen, Krisenmanagement und Compliance

29. September 2026

HM Argus: Entscheidender Vorteil in streitigen Verfahren

In streitigen Verfahren vor staatlichen Gerichten und Schiedsgerichten ist häufig entscheidend, welche Partei den relevanten Sachverhalt schneller und vollständiger erschließt. Die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen eines größeren Datenbestands zu finden, kann den Unterschied machen. Fristendruck, wachsende Dokumentenvolumina und mehrsprachige Datenbestände verschärfen diese Aufgabe. Dabei stößt die manuelle Durchsicht des gesamten Datenbestands schnell an zeitliche- und Budgetgrenzen. Daher ist die Praxis dazu übergegangen, die Daten zunächst mittels Suchworten zu filtern und lediglich die Suchworttreffer manuell auszuwerten. Dieser Ansatz nimmt allerdings das Risiko in Kauf, dass die Suchwortmethode bekanntermaßen nur lückenhafte Ergebnisse liefern kann. In der Disputes-Praxis besteht daher das Bedürfnis nach einer Technologie, die diesen Zielkonflikt zwischen Präzision der Dokumentensuche einerseits sowie Kosten- und Zeiteffizienz andererseits adressiert.

KI-gestützte Dokumentenauswertung

Genau an dieser Stelle setzt HM Argus an, die proprietäre KI-gestützte Plattform von Hengeler Mueller zur risikobasierten Analyse großer Datenbestände. Ursprünglich für interne Untersuchungen entwickelt, hat sich HM Argus ebenso in unserer Disputes-Praxis bewährt. HM Argus verbindet semantische Dokumentenklassifikation, die vollständige Sprachkontexte statt einzelner Suchbegriffe auswertet, mit Relevanzscoring und kontextbasierter Suche in natürlicher Sprache. Auf diese Weise lassen sich relevante Dokumente für den Rechtsstreit zielgerichtet und ressourcenschonend identifizieren sowie priorisiert nach ihrer Bedeutung für den konkreten Fall auswerten. Im Vergleich zu Standardtools am Markt zielt HM Argus als proprietäres Tool auf Anpassungsfähigkeit an die anwaltlichen Aufgaben des Einzelfalls, Integrationsfähigkeit mit dem know-how der Kanzlei sowie bessere Kostenkontrolle ab.

Grundlage der Analyse mittels HM Argus ist ein strukturierter, auf den konkreten Fall zugeschnittener Katalog von anwaltlichen Sachverhaltsfragen, die von unseren Data Scientists in geeignete Prompts überführt werden. HM Argus bewertet jedes Dokument, ordnet die Treffer thematischen Clustern zu und versieht sie mit einem Relevanzwert. Dadurch lässt sich die manuelle Auswertung auf die einschlägigen Dokumente beschränken und innerhalb der einzelnen Fragenkomplexe nach Relevanz priorisieren. Auch umfangreiche Datenbestände lassen auf diese Weise binnen kürzester Zeit erschließen. HM Argus erreicht dabei bei den zentralen KPI, der Identifizierung möglichst vieler relevanter Dokumente aus dem Datenpool (Recall) sowie die tatsächliche Relevanz der identifizierten Dokumente (Precision), Werte, die entsprechende KPI klassischer Suchwortreviews deutlich übertrifft.

In einem beispielhaften streitigen Post-M&A-Verfahren ließen sich mit Hilfe von HM Argus aus einem Datenbestand von rund einer Million Dokumenten in unterschiedlichen Sprachen unmittelbar rund 20 Tsd relevante Dokumente identifizieren. Anhand des Scorings ließ sich rund ein Drittel der Treffer vorrangig zur Prüfung auswählen. Knapp ein Fünftel der geprüften Dokumente stufte das Verfahrensteam als hochrelevant ein. Im Ergebnis war die Vorauswahl damit automatisiert, die anwaltliche Arbeit auf die einschlägigen Dokumente konzentriert und in kürzester Zeit nach ihrer Bedeutung geordnet sowie inhaltlich erfasst.

Dieser Vorteil wirkt sich über sämtliche Stadien eines Schiedsverfahrens aus – von der ersten Einschätzung über den Sachvortrag und die Document Production bis zur Vorbereitung der mündlichen Verhandlung. Gleiches gilt für unsere hochkomplexen cross-border Streitigkeiten.

Frühe Weichenstellung: Early Case Assessment

Zu Beginn eines streitigen Mandats stehen Risikoanalyse und Strategiewahl im Fokus – zu einem Zeitpunkt, zu dem der Sachverhalt regelmäßig noch nicht endgültig feststeht. Sachverhaltsaufklärung und frühe Weichenstellung geraten damit in ein Spannungsfeld: Wer auf belastbarer Grundlage entscheiden will, braucht Tatsachen; wer auf vollständige Aufklärung wartet, verliert wertvolle Zeit.

HM Argus löst dieses Spannungsfeld auf, indem es auch umfangreiche Datenbestände kurzfristig erschließt und die aussagekräftigsten Dokumente an den Anfang der Prüfung stellt. Aus den höchstbewerteten Dokumenten entsteht nach anwaltlicher Auswertung zügig ein tragfähiges Bild des Geschehensablaufs und damit frühzeitig eine belastbare Grundlage für das Early Case Assessment.

Über die Verfahrensstrategie kann dadurch auf Tatsachenbasis statt auf Annahmen entschieden werden. Für den Mandanten bedeutet das eine fundiertere Beurteilung von Chancen und Risiken, eine belastbarere Bewertung möglicher Vergleichsoptionen und eine realistische Budgetplanung – und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem diese Entscheidungen noch Gestaltungsspielräume eröffnen.

Sachvortrag, Zeugen und Vorbereitung der mündlichen Verhandlung

Ist die Strategie festgelegt, verschiebt sich der Schwerpunkt von der ersten Orientierung zur Arbeit am entscheidungsrelevanten Sachverhalt. Das strukturierte Prompting erlaubt, den Datenbestand nach Tatsachenkomplexen zu gliedern und die für ein bestimmtes Beweisthema relevanten Dokumente auf der Grundlage des Scorings priorisiert zur anwaltlichen Prüfung zusammenzustellen.

Diese thematische Aufbereitung unterstützt die Ausarbeitung und Absicherung des eigenen Sachvortrags sowie die Vorbereitung von Zeugenbefragungen und etwaigen Witness Statements. Zugleich lassen sich Dokumente, die den eigenen Sachvortrag bestätigen, differenzieren oder infrage stellen, frühzeitig erkennen – bevor sie durch gegnerische Anträge oder im weiteren Verfahren vorgelegt werden. Mit Blick auf die mündliche Verhandlung lässt sich auch neuer Sachvortrag aus kurzfristigen Stellungnahmen der Gegenseite anhand des eigenen Datenbestands schnell verifizieren und gegebenenfalls widerlegen.

Document Production in Schiedsverfahren

In Schiedsverfahren kommt der Document Production, also der wechselseitigen Dokumentenvorlage auf Antrag, häufig wesentliche Bedeutung zu. Die Parteien stellen einander Requests for Production und verlangen damit die Vorlage bestimmter Dokumente oder Dokumentenkategorien. Knapp bemessene Fristen treffen dabei auf erhebliche Datenbestände – und zwar in zwei Richtungen:

Für die eigene Produktion ist der Dokumentenbestand des Mandanten entlang der gegnerischen Requests zu sichten. Vorlagepflichtige Dokumente müssen kurzfristig identifiziert und geprüft werden. Zugleich ist privilegierte Kommunikation auszusondern und zu kennzeichnen, da eine versehentliche Offenlegung den Schutz des Legal Privilege gefährden kann. Diesen ersten Arbeitsschritt verkürzen die Relevanzerkennung und das Scoring durch HM Argus erheblich und schaffen so Zeit für den zweiten Schritt, der eine anwaltliche Beurteilung erfordert.

Umgekehrt ist die gegnerische Produktion auszuwerten. Ob sich relevante Informationen für den weiteren Sachvortrag, die mündliche Verhandlung und etwaige Cross Examinations nutzen lassen, hängt von der Geschwindigkeit und Qualität dieser Auswertung ab. Hier zahlt sich die semantische Analyse großer, ungeordneter Datenmengen besonders aus: Sachzusammenhänge und potenziell relevante Dokumente lassen sich auch dann erfassen, wenn Terminologie, Sprache oder Darstellung der produzierten Dokumente von den Annahmen abweichen, die den eigenen Requests zugrunde lagen.

Große Aktenbestände und Massenverfahren

Auch in staatlichen Gerichtsverfahren unterstützt HM Argus die technologiegestützte Sichtung umfangreicher Akten in komplexen Wirtschaftsstreitigkeiten. In Massenverfahren und bei standardisierten Ansprüchen lassen sich Fallmuster, Cluster, Abweichungen und die Vergleichbarkeit einzelner Fälle systematisch erfassen. Das erleichtert die Bearbeitung des einzelnen Verfahrens und ermöglicht zugleich eine konsistente und ressourcenschonende Verteidigungslinie über eine Vielzahl paralleler Verfahren hinweg.

Ausblick

Der Einsatz von KI zur Auswertung und Aufbereitung des Sachverhalts in Litigation und Arbitration gewinnt zunehmend an Bedeutung. Neben ökonomischen Vorteilen wirkt sich der Einsatz unmittelbar auf die Verfahrensführung aus: Die Strategiewahl beruht bereits zu Beginn des Mandats auf Tatsachen statt auf Annahmen, der eigene Sachvortrag lässt sich frühzeitig absichern, eine etwaige Document Production ist in beiden Richtungen fristgerecht zu bewältigen, und auch umfangreiche Aktenbestände bleiben beherrschbar.

Genau hier setzt HM Argus an. Mandanten steht damit ein erprobtes Werkzeug zur Verfügung, das auch unter engen Fristen und anspruchsvollen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einen wichtigen Beitrag leisten kann um den entscheidenden Vorsprung bei der Erschließung des Sachverhalts und der Verfahrensführung zu sichern.