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HM Argus Reviewer – Neue Technologie in der Compliance-Organisation | Hengeler Mueller News

Argus Eyes – Blog für Interne Untersuchungen, Krisenmanagement und Compliance

HM Argus Reviewer – Neue Technologie in der Compliance-Organisation

Die Angemessenheit einer Compliance-Organisation ist kein statisches Konzept, sondern beurteilt sich im Rahmen einer kontinuierlichen, pflichtgemäßen Abwägung von Aufwand und Nutzen auf der Grundlage einer Risikoanalyse. Hierbei kommt der technologische Wandel ins Spiel, der den Optionenraum laufend erweitert. Die Entwicklung des technisch Machbaren und sinkende Technologiekosten verschieben graduell die Rahmenbedingungen. Was gestern noch als unverhältnismäßiger Aufwand galt, kann sich morgen zur Rechtspflicht verdichten.

Um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, sollten die Compliance-Verantwortlichen die Technologieentwicklung laufend beobachten. Insbesondere kann der Einsatz von KI dazu dienen, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen – bevor sie sich zu handfesten Findings, Incidents oder sogar aufsichtsrechtlichen Verfahren entwickeln. An dieser Stelle setzt der HM Argus Reviewer an.

Von punktuellen Prüfungen zur zuverlässigen Risikoerkennung

Der HM Argus Reviewer ersetzt punktuelle Prüfungen durch eine kontinuierliche, planbare und regelbasierte Analyse. Relevante Dokumente – etwa neu eingegangene E-Mails in Hoch-Risikobereichen oder an konkret definierten Ablageorten gespeicherte Dateien – werden regelmäßig und auf Basis eines vordefinierten, juristisch geprüften und breit abgestimmten Sets an Compliance-Fragestellungen überprüft. Dabei ist die Häufigkeit der Prüfungen frei bestimmbar, etwa wöchentlich oder im Monatstakt. Das Spektrum der Einsatzmöglichkeiten reicht von vollautomatischen Prüfungen bis hin zur Überwachung ganzer Ordnerstrukturen. Als relevant identifizierte Dokumente werden – bedarfsweise sofort oder periodisch – an die einschlägigen Prüf- bzw. Fachstellen zur Verifikation übergeben, sodass die finale Bewertung stets durch einen menschlichen Entscheider erfolgt, dem sog. “Human in the Loop“.

Erkennen, was klassische Kontrollen übersehen

HM Argus nutzt sowohl semantische als auch sprachunabhängige Textanalyse und kann darüber auch implizite oder bislang unbekannte Risikomuster sicher identifizieren. Damit werden auch die bisher unzugänglichen (Daten-)Bereiche in Unternehmen erschlossen, in denen traditionelle, zumeist schlagwortbasierte Kontrollsysteme häufig versagen. In bisherigen Investigations-Anwendungsfällen erreicht das System eine Recall-Quote von über 90 Prozent aller relevanten Dokumente und senkt darüber auf einer systematischen Ebene das Risiko, kritische Sachverhalte zu übersehen. Das gilt auch in Fällen, in denen Compliance-Kontrollen über Regelwerke, Sprachen und Märkte hinweg erforderlich sind: Der Reviewer wird domänenspezifisch parametrisiert und ist in seinem Einsatzumfang frei konfigurierbar. Dabei kann die Skalierung auch ohne einen entsprechenden Personalaufbau erfolgen, da wachsende Datenmengen und regulatorische Anforderungen explizit durch die Technologie und nicht durch zusätzlichen Headcount bewältigt werden. Im Ergebnis stehen reduzierte Review-Aufwände, schnellere Fallbearbeitung sowie ein geringeres Haftungs- und Reputationsrisiko bei gleichzeitig besserer Nachvollziehbarkeit, Governance-relevanter Fragestellungen und Entscheidungen.

Juristische Rahmenbedingungen im Blick

Der Einsatz eines KI-gestützten Compliance-Tools wirft eine Reihe juristischer Fragestellungen auf. Diese berühren unter anderem etwa die Kommunikation gegenüber den Mitarbeitenden zum Einsatz des Tools, die Einbindung des Betriebsrats, der datenschutzkonforme Zugriff auf Daten sowie die Einführung des Tools in verschiedene, beispielsweise national abgegrenzte Rechtsrahmen. Diesen Themen werden wir in einem gesonderten Blog-Beitrag nachgehen.

Technik und Betrieb

Der HM Argus Reviewer wird als containerisierte Standardlösung bereitgestellt und ist in nahezu allen Mandantenumgebungen lauffähig. Das Betriebsmodell ist flexibel, sodass der Reviewer sowohl in der mandanteneigenen IT-Umgebung als auch auf den Systemen von Hengeler Mueller betrieben werden kann. Im Rahmen eines umfangreichen Onboardings werden gemeinsam mit dem Anwender oder der Anwenderin (teil-)automatische Schnittstellen zu den individuellen Systemen etabliert. Auch das eingesetzte Sprachmodell steht im Ergebnis einer gemeinsamen Entscheidung. Dabei reichen die Möglichkeiten von durch Hengeler Mueller kontrollierten Cloud-Modellen bis hin zu bereits auf Mandantenseite eingesetzten Cloud- oder On-Premises-Modellen. Darüber hinaus sieht der HM Argus Reviewer einen weiteren mandantenindividuellen Zuschnitt vor: Prompt-Spezialisten von Hengeler Mueller überführen die unternehmensindividuellen Prüfungsfragen in zielgerichtete, modelloptimierte Prompts, während auch fortlaufende Anpassungen strukturiert, dokumentiert sowie in enger Kooperation zwischen dem anwendenden Unternehmen und Hengeler Mueller vorgenommen werden.

Nicht nur die Implementierung, sondern auch der dauerhafte Betrieb von HM Argus Reviewer kann seitens Hengeler Mueller mit juristischer und technischer Expertise begleitet werden und richtet sich nach dem mandantenseitig gewünschten Umfang und dem Grad der individuellen Konfiguration. So wird sichergestellt, dass Compliance nicht zum abgeschlossenen Projekt, sondern zu einer nachhaltig etablierten Praxis im Unternehmen wird.