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Zusammenfassung | Hengeler Mueller News

Aufsichtsratsstudie 2026

16. September 2026

Zusammenfassung

Die Aufsichtsratsstudie 2026 zeigt: Deutsche Aufsichtsräte haben im Grundsatz erkannt, dass Künstliche Intelligenz strategisch bedeutsam ist, doch sie setzen KI noch nicht so umfassend ein, wie es diesem Bewusstsein und dem Potenzial von KI entspricht.

  • Strategische Bedeutung erkannt, eigene Nutzung und Regeln hinken hinterher

    Über 80 % der befragten Aufsichtsratsmitglieder identifizieren die Auswirkungen von KI auf Strategie und Organisation als einen zentralen Überwachungsschwerpunkt ihrer Aufsichtsratstätigkeit. Gleichzeitig nutzt mehr als ein Viertel der Studienteilnehmer KI nicht in der eigenen Arbeit und bei rund der Hälfte der Unternehmen existieren keine spezifischen Regeln für den KI-Einsatz. Der Praxisimpuls der Kodexkommission wurde von etwa 40 % der Befragten zur Kenntnis genommen und von weiteren 17 % diskutiert oder in die weiteren Beratungen mit einbezogen. Angesichts des kurzen Zeitraums seit der Veröffentlichung des Impulses und des Anteils von ca. 40 % an Aufsichtsräten, die nicht börsennotierten Unternehmen angehören, ist das ein beachtlicher Verbreitungsgrad. Der Impuls erfüllt somit sein Ziel, als praktische Orientierungshilfe für den verantwortungsvollen Umgang mit KI.

  • Nutzungsumfänge und -formen bleiben hinter den Möglichkeiten eines effektiven Einsatzes von KI zurück

    Die KI sollte nicht als bloßes Automatisierungsinstrument für ehemals händische Dokumentationsprozesse oder elektronischer Protokollant genutzt werden, sondern in einer idealen Welt dazu dienen, die Vielschichtigkeit heutiger Anforderungen an Aufsichtsräte beherrschbar zu machen, große Informationsmengen und Daten zu strukturieren sowie wesentliche Kerninformationen so zu destillieren, dass Entscheidungen effizienter und zielsicherer getroffen werden können.

  • Governance-Lücke – Zuständigkeit für KI-Tools oft ungeklärt

    Die Verantwortung für die Bereitstellung von KI-Tools wird überwiegend beim Vorstand (48,9 %) und beim Aufsichtsrat selbst (40,9 %) verortet, gefolgt von der IT-Abteilung (29,5 %). Jedoch offenbaren die Rückmeldungen der Befragten das Fehlen klarer Zuordnungen von Verantwortungs- und Einsatzfeldern. Zahlreiche Befragte geben an, dass sich bisher „niemand“ um die Bereitstellung kümmere oder die Nutzung weitgehend auf Eigeninitiative beruhe. Vielfach existierten noch keine speziellen KI-Tools für den Aufsichtsrat und die Zuständigkeit sei „noch nicht geregelt“.

  • Chancen und Risiken bei Recherche und Analyse

    Die größten Chancen und Potenziale zur Steigerung der Qualität in der Aufsichtsratsarbeit durch KI sehen die Befragten in der Recherche, der Aufbereitung von Unterlagen und bei der Szenarioanalyse. Den insoweit bestehenden, mitunter berechtigten Sorgen um Vertraulichkeit und Datenschutz kann durch klare Richtlinien und eine sichere technische Infrastruktur entgegengetreten werden. Deren Fehlen stellt derzeit noch die größte Hürde für einen breiteren KI-Einsatz dar.

  • Regeln zur KI-Nutzung entstehen sukzessive

    Vielfach bestehen jedoch noch keine spezifischen Regeln. Dies spiegelt sich auch insoweit im vorliegenden Datenmaterial wider, dass keine der Optionen Zustimmungs­werte oberhalb von 50 % erzielt. Eine mögliche Ableitung ist hier, dass KI-Governance und eine strukturierte, Verantwortungs- und Einsatzfelder zuweisende Herangehensweise im überwiegenden Teil der Unternehmen noch nicht flächendeckend etabliert, in einigen Unternehmen jedoch zumindest im Entstehungsprozess begriffen ist.

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Zwischen dem, was Aufsichtsräte als strategisch wichtig erachten, und dem, was sie tatsächlich in die Praxis umsetzen (können), besteht noch ein großes Delta.

Um das Bewusstsein für die Chancen und Risiken des KI-Einsatzes in der Unternehmenspraxis zu verankern, bedarf es konkreter Umsetzungsmaßnahmen. Dazu gehören auch ein klarer Governance-Rahmen und eine sichere technische Infrastruktur.